11.01.2021

Protest gegen WBG-Wohnblöcke nebenan

 

Die geplante Bebauung der Bachwiesen im Westen von ZIRNDORF verurteilen die Anlieger als unzumutbar.

VON SABINE DIETZ ZIRNDORF – Ein Großprojekt der WBG schürt Unmut bei den Anliegern: Auf den sogenannten Bachwiesen zwischen Banderbacher Straße und dem Stich der Vogelherdstraße, im Bereich hinter der früheren Stadtbücherei Richtung TSV-Sportplatz, sind etwa 140 Wohnungen in 14 Wohnblöcken geplant. Grünes Licht für das Unternehmen hat der Stadtrat im Oktober gegeben. Bis kurz vor Weihnachten lagen die Pläne zur frühzeitigen Beteiligung im Bauamt aus. Franziska Spannig lebt in der unmittelbar angrenzenden Sackgasse der Vogelherdstraße. Sie hat sich die 46- seitige Erläuterung des Entwurfs ganz genau angesehen und ein umfassendes Schreiben mit Einwänden und Anregungen zu dem Bebauungsplan zu Papier gebracht. 44 Bewohner aus den unmittelbar angrenzenden Häusern unterstützten die Protestnote ans Bauamt und das Büro des Bürgermeisters mit ihrer Unterschrift. Insgesamt 15 Einzelpunkte listen die Anlieger auf, die sie ablehnen oder für überdenkenswert halten. „Wir sagen nicht, hey, ihr nehmt uns hier die Sonne und wir sind grundsätzlich dagegen“, unterstreicht Spannig. Sie will die Einwände zu dem Bebauungsplan eher als Appell an die Stadträte verstanden wissen, das ganze Projekt „noch einmal genau anzuschauen unter dem Aspekt, ob es in dieser Form tatsächlich in die Gegend passt“. Nach Ansicht von Spannig und ihren Nachbarn tut es das nicht.

Besondere Verantwortung

Die Stadt Zirndorf habe nicht nur die Planungshoheit bei dem Projekt, sondern hält auch die Mehrheit am Investor, der WBG. In dieser Doppelrolle käme ihr eine besondere Verantwortung zu, nehmen die Anlieger die Stadträte als Entscheidungsträger in die Pflicht. Doch von einer städtebaulich zukunftsweisenden, ökologischen und sozialbewussten Planung, so die Kritiker, sei das Projekt weit entfernt.

Nicht definiert sei der Anteil sozial geförderter Wohnungen, laut Entwurf seien überwiegend frei verkäufliche Eigentumswohnungen geplant. Das aber widerspreche dem auch von kommunalpolitischer Seite propagierten Ziel, insbesondere bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen, was, nebenbei erwähnt, auch ureigenster Zweck der Zirndorfer WBG ist.

21 000 Quadratmeter Ackerfläche würden stark verdichtet bebaut und versiegelt. Und das mit 14 Wohnblöcken, die in Höhe und Kubatur die vorherrschende Struktur von Reihenhäusern sowie die aufgelockerte Bebauung mit Einzel- und Doppelhäusern in der Gegend sprengen würden.

Die Kritiker haben berechnet, dass die WBG mit dem Bau von 14000 Quadratmetern Geschossfläche schätzungsweise 22 Millionen Euro erlöst, was sicherlich etwas hoch gegriffen ist, schließlich schlagen auch Grundstücks- und Baukosten zu Buche. „Und über eine Wirtschaftlichkeitsrechnung haben wir zum jetzigen Stand der Planungen noch gar nicht nachgedacht“, sagt WBG-Geschäftsführer Timo Schäfer.

Dem ungeachtet stellt sich für die Anlieger jedoch die Frage, wer Folgekosten für Schule, Kinderbetreuung oder öffentlichen Personennahverkehr übernimmt, wenn hier geschätzte 350 Menschen zuziehen. Darüber hinaus vermissen sie Konzepte zu Mobilität, zur Stellplatzproblematik oder zu den ökologischen Folgen der „Wohnklötze“, schließlich verbauten sie einen Grünzug, der als wichtige Frischluftschneise ins Zentrum der Stadt dient. All das sei nicht ausreichend bedacht und geregelt. Das Fazit der Anrainer: In seiner jetzigen Form sei der Plan den Anliegern „nicht zumutbar“.

Im städtischen Bauamt, erklärt Stadtbaumeister Gerhard Klein, „werden wir uns nun jedem einzelnen Punkt widmen, wie es das Procedere der Bauleitplanung im Abwägungsprozess verlangt. Wir sind im ersten Schritt, und dabei werden wir die WBG wie jeden anderen Erschließungsträger behandeln“, betont er. Im Frühjahr, rechnet er, werde das Projekt, dann mit Stellungnahme der Verwaltung zu den einzelnen Einwänden, erneut im Stadtrat vorgelegt.

Inhaltlich äußert sich Klein zu den Kritikpunkten nicht. Nur so viel: „Wohnungspolitisch ist bei diesem Projekt das Ziel, Wohnraum in Zentrumsnähe zu schaffen – sowohl in Form frei finanziertem Eigentum als auch geförderter Wohnungen.“ Über deren Verhältnis zueinander werde in der baurechtlichen Prüfung nichts festgelegt. Das geschehe erst im städtebaulichen Vertrag. Grundsätzlich verfolge die WBG das Ziel, über den Verkauf frei finanzierter Wohnungen den Neubau und die millionenschweren Sanierung in ihrem Mietwohnungsbestand in der Nordstadt querzufinanzieren.

Auch WBG-Geschäftsführer Schäfer vertritt aus Sicht des Bauherren die Ansicht, „dass es in der aktuellen Phase zu früh wäre, sich zu Details der Kritik zu äußern. Wir stehen am Anfang und werden versuchen, auf die Anregungen der Bürgerbeteiligung einzugehen“.

Keine Gewinnmaximierung

Er wolle das Beste für die Stadt herausholen. „Und ganz sicher geht es uns als WBG nicht um die Gewinnmaximierung, sondern darum, vernünftigen, bezahlbaren und ökologisch sinnvollen Wohnraum zu schaffen“, erklärt er. Die Genehmigung im Lauf des Jahres vorausgesetzt, ist als Baustart auf den Bachwiesen das Jahr 2022 anvisiert.

Das von der WBG als Baugrund anvisierte Areal: Die sogenannten Bachwiesen, von den Reihenhäusern in der Vogelherdstraße aus in Blickrichtung der Realschule Zirndorfs gesehen, könnten bald Vergangenheit sein. Mit 14 Wohnblöcken ist eine stark verdichtete Bebauung geplant. Sehr zum Ärger der Anlieger.

Thomas Scherer 

Copyright (c) 2021 Verlag Nuernberger Presse, Ausgabe 13.01.2021
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